März 1995 – Direktive 7

Im März 1995 erließ der Kriegsverbrecher Radovan Karadžić die „Direktive 7", in der es heißt, dass die VRS die vollständige physische Trennung von Srebrenica und Žepa durchführen und durch tägliche geplante Kampfhandlungen Bedingungen totaler Unsicherheit und Ausweglosigkeit für die Bewohner Srebrenicas schaffen solle.

Operation „Krivaja 95"

Diese Direktive war lediglich die Einleitung zum operativen Militärplan mit dem Codenamen „Krivaja 95", den die Armee der Republika Srpska 1995 ausarbeitete, um die UN-Schutzzonen Srebrenica und Žepa einzunehmen. Die Operation „Krivaja 95" war der Auftakt zum Genozid, den die VRS an über 8.000 Männern 1995 in Potočari und der weiteren Umgebung in nur wenigen Tagen beging. Um der Wahrheit treu zu bleiben: Auch Frauen und Neugeborene blieben nicht verschont.

Die militärische Führung

Die Operation „Krivaja 95" fiel in den territorialen Zuständigkeitsbereich des Drina-Korps der VRS unter der Führung des Kriegsverbrechers Radoslav Krstić, und nach Beginn des Angriffs übernahm der Kriegsverbrecher Ratko Mladić das direkte Kommando. Uneingeschränkte Unterstützung kam aus Serbien, vom Užicer Korps sowie von zahlreichen paramilitärischen Formationen (wie den berüchtigten „Škorpioni"), die in die Armee und Polizei des Landes eingegliedert waren.

UNPROFOR & DUTCHBAT

Die UN übertrugen den Schutz der „Sicherheitszone" Srebrenica Soldaten des niederländischen Bataillons (DUTCHBAT) der UNPROFOR (Schutztruppe der Vereinten Nationen). Am 18. Januar traf das DUTCHBAT-3-Bataillon ein, bestehend aus 600 Soldaten. Bis Juli hatte sich diese Zahl erheblich verringert, und das Bataillon war logistisch geschwächt, da die VRS den Versorgungskonvois den Durchgang zur Basis Charlie in Potočari verwehrte.

10. Juli 1995 – Gescheiterte Luftunterstützung

Am Montag, dem 10. Juli 1995, sendete das DUTCHBAT-Kommando mehrfach Anträge auf Luftnahunterstützung (CAS). Man wartete auf die Genehmigung über die Kette General Janvier – Akashi – UN-Sicherheitsrat. Jedoch zögerte General Janvier zu lange. Dann kam aus Bratunac ein Ultimatum: Entweder wird der Luftangriff eingestellt, oder die von der VRS als Geiseln gehaltenen UN-Soldaten werden getötet. Die Luftunterstützung wurde eingestellt.

11. Juli 1995 – Fall von Srebrenica

Srebrenica fiel am 11. Juli 1995 gegen 16:00 Uhr in die Hände der VRS. Über 25.000 Frauen, Kinder und ältere Männer befanden sich bereits in der Basis Charlie oder deren Umgebung und hofften auf den Schutz der UNPROFOR.

12. Juli 1995 – Die Kolonne

Bis Mitternacht hatten sich zwischen 12.000 und 15.000 Männer im Gebiet zwischen den Dörfern Šušnjari und Jaglići versammelt. Es bildete sich eine endlose Kolonne mit dem Ziel, sich über unwegsames Berggelände nach Tuzla und Kladanj durchzuschlagen. Am 12. Juli 1995 gegen 00:30 Uhr setzte sich die Menschenkolonne von Šušnjari in Richtung der freien Gebiete in Bewegung – auf einem Weg von über 100 Kilometern.

13. Juli 1995 – Massaker

Am 13. Juli 1995 zwischen 01:00 und 06:00 Uhr überquerten Gruppen von Flüchtlingen die Asphaltstraße Konjević Polje – Nova Kasaba. Die VRS durchschnitt gegen 6 Uhr die Kolonne und nahm mindestens 6.000 Männer gefangen. Der größte Teil der Gefangenen wurde zu Sammelstellen in Nova Kasaba und Sandići gebracht. General Mladić besuchte die Gefangenen an beiden Orten. Am späten Nachmittag wurden die Gefangenen aus Sandići nach Kravica gebracht und im Lagerhaus der Genossenschaft eingesperrt. Gegen 18 Uhr führte die VRS die Exekution durch – mit Panzerfäusten, Granatwerfern, Handgranaten und Gewehrkugeln.

16. Juli 1995 – Durchbruch nach Nezuk

Am 16. Juli 1995 zwischen 14 und 17 Uhr gelang es einer Gruppe von etwa 3.500 Menschen, in das freie Gebiet im Dorf Nezuk, Bezirk Sapna, durchzubrechen. Von den geschätzten 15.000 Menschen, die beim „Todesmarsch" ihr nacktes Leben retten wollten, schaffte es nur etwas mehr als ein Fünftel bis nach Nezuk.